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Die Chronik von Biederitz und Heyrothsberge
(stark gekürze Fassung von Herrn Dr. Borns)

(Anmerkung des Webmasters: Diese Chronik wird in den kommenden Wochen noch mit Bildmaterial verschönert!)

Die bisher bekannte Ersterwähnung von Biederitz geht auf die Stiftungs- und Dotationsurkunde für das Bistum Brandenburg vom 1. Oktober 949, unterzeichnet von König Otto I., zurück.

Über die Jahrhunderte veränderte sich der heutige Ortsname Biederitz in den Literaturquellen beträchtlich:

um 949 Bidrici
um 995 Bitrizi
um 1159 Biderice
um 1378 Byderitz
um 1459 Bideritz
um 1647 Biritz

Aber bereits einige Jahrtausende vor der Ersterwähnung gab es steinzeitliches Leben in unserem Ort. Bevorzugte Siedlungsgebiete waren hochwasserfeste Lagen, wie in Biederitz das alte Dorf, die Sanddünen der Siedlung aber auch in Heyrothsberge auf den einstigen hohen Sanddünen. Dort wurden gezielt aber auch zufällig steinzeitliche Scherben, Pfeilspitzen und Gebrauchswerkzeuge aus Stein und Ton gefunden.

Das Leben auf den Siedlungspunkten war geprägt von dem Elbstrom, der sich immer wieder zwischen Biederitz und Magdeburg verlagerte, sowie den jährlichen Hochwasserfluten. Die Nähe zu dem Wasser versprach aber auch reiche Nahrungsquellen und bei Hochwasser war man vor Feinden sicher.

Für das sich langsam entwickelnde und sich ausdehnende Biederitz war das jährliche Hochwasser ein echtes Problem, denn es bedrohte die Häuser und Stallungen sowie die Ackerflächen. Man versuchte sich mit Deichanlagen zu schützen, die aber immer wieder überspült wurden. Erst 1865 legten die entlang des östlichen Ufers der Elbe gelegenen Dörfer einen gemeinsamen Vorschlag für eine einheitliche Deichanlage dem Preußischen Landtag vor. Daraus entstand der uns heute bekannte Umflutkanal. Für unseren Ort katastrophale Hochwasser mit großen Überflutungen des Ortes waren in den Jahren: 1655, 1845, 1862, 1865. Mit dem Bau des Umflutkanals gab es - bis auf das Jahr 2002 in Heyrothsberge - keine Dammbrüche mehr.

Bemerkenswert war, daß die Umflutkanalbauer alle Sträucher und Bäume aus dem Kanalbett entfernten, um den Hochwasserfluten keine Hemmnisse entgegenzusetzen. Vergleiche vom Bau zu heute, dem Jahr 2004, ergeben, daß der Wildwuchs im Kanalbett an Sträuchern und Bäumen eine ernste Bedrohung der Hochwassersituation darstellt.

Der Biederitzer Busch reichte vor dem Kanalbau bis an die Ehle. Erst mit dem Bau des Umflutkanals erfolge die Zurückdrängung des Waldes hinter den westlichen Deich.

Im Jahre 1782 zählte man in Biederitz 365 Einwohner. Es kam wiederholt zu großen Feuersbrünsten. Die strohgedeckten Häuser, Scheunen und Stallungen boten den Flammen willkommene Nahrung. Besonders erwähnt wird das Jahr 1846 und 1856, wo gleich mehrere Grundstücke abbrannten. In dem Ortsplan der Feuersozietät von 1868 wurden die Dächer mit Strohdeckung besonders gekennzeichnet, offenbar mußte der Eigentümer höhere Versicherungsprämien zahlen.

Die Geschichte unserer evangelischen Ortskirche wurde von Herrn Dr. Christian Scholl ausführlich vorgestellt. Er konnte anhand von Unterlagen aus den Archiven nachweisen, dass es bereits 1238 eine Kirche in Biederitz gab, die allerdings über die Jahrhunderte mehrfach zerstört und wieder aufgebaut wurde.

Unsere Chronik enthält die Darstellung unterschiedlicher Hochzeitsbräuche. Im Jahre 1714 erließ der preußische König die Order, daß kein junger Mann heiraten durfte, wenn er nicht vorher eine bestimmte Anzahl Obstbäume gepflanzt hatte.

Im Jahre 1820 wurde die Chaussee von Magdeburg bis Möser in Betrieb genommen. Über das Überschwemmungsgebiet der Elbe wurde eine lange Holzbrücke gebaut. Den Holzbedarf für die Pfeiler, die Tragbalken von Pfeiler zu Pfeiler sowie für den Bohlenbelag entnahm man aus dem sich damals noch dort befindlichen Biederitzer Busch. 850 Eichen wurden gefällt, damit gab es im Gebiet der Chausseebrücke keinen Waldbestand mehr.

Die Berliner Chaussee und die Ehlebrücke waren der Beginn des Ortsteils Heyrothsberge, denn es entstand eine Gaststätte, die von einem Herrn August Heyroth aus Magdeburg gern und oft besucht wurde. Schnell erkannte er den Nutzen der großen Sandberge links von der Straße, die in alten Karten die Fuchberge genannt wurden. August Heyroth baute sich 1848 ein Haus und verkaufte den Sand nach Magdeburg. Der Ehrgeiz trieb ihn, diesem Gebiet seinen Namen zu geben. Zuerst hieß es Heyroths Sandberge und später Heyrothsberge.

Auf dem Gebiet des Schulwesens hat Biederitz es nach 1820 dem rührigen Pfarrer Messow und dem neuen Lehrer Neubauer zu verdanken, daß die Dorfschule im Ort zu einer Musterschule aufstieg, von Magdeburg bis Genthin kamen Lehrer, um sich über die bedeutenden Schulerfolge zu informieren und zu lernen.

Biederitz wurde auch berühmt, als die Zeigertelegraphenlinie 1832 von Berlin nach Koblenz eingerichtet wurde. Der Telegrafenturm Nr. 13 nebst Zeigersystem stand in der Siedlung.

In Biederitz und Heyrothsberge gab es einst 4 Ziegeleien. Der schlickreiche Boden im Umflutkanalgebiet war geradezu ideal für die Ziegeleiansiedlungen. Bereits um 1850 entstanden die ersten Ziegeleien. Beachtenswert ist auch die Entstehung des Kalksandsteinwerkes in Heyrothsberge. Besonders ab 1912 entstand ein leistungsfähiges Kalksandsteinwerk, das von einer Dampfmaschine und vielen Transmissionen angetrieben wurde. Das wirklich Bedeutende ist, daß dieses Kalksandsteinwerk zu den 10 ersten Werken in Deutschland gehörte. Schon 1939 zählte man in Deutschland 300 Werke.

Im Jahre 1846 wurde die erste Eisenbahnlinie von Potsdam nach Magdeburg eröffnet. An der Fahrt nahmen 800 Personen teil. Die Linienführung ging von Burg über Niegripp, Hohenwarthe, Lostau, Gerwisch zwischen Biederitz und Heyrothsberge vorbei zur Endstation nach Magdeburg-Friedrichstadt.

Über die Jahrhunderte begleitete die Kriegsfurie das Leben in Biederitz und später auch in Heyrothsberge. 1631 zerstörten die Truppen Magdeburg und auch Biederitz fast vollständig. Die Menschen wurden ermordet und mißhandelt und flohen. Die Häuser und Stallungen brannten nieder, und das Vieh wurde von den Soldaten geschlachtet und weggetrieben. Ein ganzes Jahr war Biederitz unbewohnt, bis der Pfarrer Kittelius, der Schulze Meinke und der Kirchvater Illies zurückkehrten und mit dem Aufbau begannen. Weitere Verwüstungen folgten in den folgenden Jahrhunderten. Der Höhepunkt der Kriegsgreul und des Kriegsschreckens war der 2. Weltkrieg. In Biederitz und Heyrothsberge beklagte man den Tod von über 400 Männern, Frauen und Kindern. Dies sind bezogen auf die damalige Bevölkerung 10%, eine grauenvolle Zahl.

Reich ist auch die Geschichte des Sports in Biederitz und Heyrothsberge. Zu nennen ist die Radrennbahn in Biederitz, hervorzuheben ist auch die Radlegende Täve Schur. Feld- und Hallenhandball war und ist in Biederitz Spitze. Turnvereine um 1900 und Tennisspiele um 1925 und 1949 und auch jetzt wieder. Nach 1945 gab es sogar in der Siedlung hochinteressante Sandbahnrennen mit Solomotorrädern und Gespannen.

In den Chroniken von Biederitz und Heyrothsberge findet der Anglerverein eine breite Würdigung. Das Fangen von Fischen gehört fest zu Biederitz, von der Bronzezeit bis heute.

Unsere Freiwillige Feuerwehr hat schon vielen Bürgerinnen und Bürgern aus großer und kleiner Not befreit. Die Gründung eines Feuerwehrvereins in Biederitz geht auf das Jahr 1897 zurück, aber davor halfen sich die Bauern und Gewerbetreibende gegenseitig, wenn mal wieder eine der gefürchteten Feuersbrünste ganze Höfe und Dorfstraßen verbrannte. Die Gründungsversammlung für die Heyrothsberger Freiwillige Feuerwehr fand am 28. Juni 1913 statt. In Heyrothsberge wurde 1938 die Feuerwehrschule gegründet, um nun den freiwilligen Feuerwehrleuten ein solides Wissen zu vermitteln.

Biederitz hatte auch ein Kino. In drei großen Strandbädern an der Ehle erfreuten sich Jung und Alt von nah und fern an den Fluten. Über 14 Gaststätten und Kaffees waren an den Sonn- und Feiertagen ausverkauft. Viele Magdeburger Geschäftsleute bauten sich in dem beliebten Biederitz eine schöne Villa und prägten so auf Dauer das Antlitz unseres Ortes. Nur gut, daß es die chronologischen Bücher über Biederitz und Heyrothsberge gibt, dort kann man über Dinge nachlesen und nachschauen, die es heute leider nicht mehr gibt.

Die bereits mehrfach genannten Heimatbücher sind:

Biederitz - Die Chronik mit 380 Seiten und 366 Bildern

Biederitzer und Heyrothsberger Geschichten mit 352 Seiten und 376 Bildern

Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Heyrothsberge mit 102 Seiten und 62 Bildern

Von dem ersten Buch wurden 1.500 Stück gedruckt und alle verkauft. Von dem zweiten Buch wurden ebenfalls 1.500 Bücher gedruckt, Erfreulich ist, daß noch Exemplare vorhanden sind. Die Drogerie und Postagentur von Herrn Pütsch in Biederitz verkauft Ihnen gern ein Exemplar zum Preis von 15,- €. Der Preis setzt sich nur aus den Druckkosten zusammen.

 

 

 

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